Donnerstag, 27. Oktober 2011

... Engländer! Das Käserennen von Gloucestershire

Auf den Käse! Fertig! Los!
So oder ähnlich sollte der Startschuss für das wohl verrückteste Wettrennen der Welt lauten. Beim so genannten Käserennen, dem Cooper'sHill Cheese-Rolling and Wake in der Grafschaft Gloucestershire hetzen hunderte von Läufern einem rollenden Käselaib hinterher. Rennstrecke ist der unglaublich steile Cooper's Hill bei Brockworth und der Käse, dem ganz nach Art des englischen Fairplay, ein kleiner Vorsprung eingeräumt wird, wurde übrigens noch nie gefangen.
Mit bis zu über 100 Stundenkilometer Rollgeschwindigkeit ist das Käserad auch ein wirklich unfassbares Ziel. Trotzdem werfen sich jedes Jahr zahlreiche Menschen den Hügel hinunter und riskieren dabei Kopf und Kragen. Denn Verletzungen bleiben nicht aus, wenn die Läufer mehr schlecht als recht die Beine in die Hand nehmen und zum großen Vergnügen der Zuschauer schon nach wenigen Metern es dem Käse gleich zu tun und den Hügel hinunter kugeln. 



Auf dem schrägen Grün purzelt, stolpert und rollt alles wild durcheinander - und das in insgesamt vier Runden an jeweils vier Tagen im Jahr. Das Gelände ist für maximal 5.000 Zuschauer ausgelegt und ist jedes Jahr heillos überfüllt. Die schnellsten Läufer werden als Sieger geehrt und dürfen einen Double Gloucestershire Cheese mit nach Hause nehmen (Wert immerhin ca. 100 Euro).
Dass es den „Sportsmen“ beim Laufen mehr um die Ehre als um den Käse geht, beweist die Tatsache, dass während der Lebensmittel-Rationierung in den Kriegsjahren 1941 bis 1954 einfach ein Holzrad gejagt wurde. Woher die Tradition nun genau stammt ist ungeklärt, doch rollt der Käse jetzt schon seit über 200 Jahren.

Freitag, 24. Juni 2011

... Schwaben! „Herrgottsbscheißerle“ und Kehrwoche

Den Bewohnern des Schwabenländle wird ja nun so manches nachgesagt. Geizig seien die, wie die Schotten und richtiges Hochdeutsch „kennen’s“ auch nicht...
Doch auch eingefleischte Schwabenfans müssen schmunzeln, wenn man in heimischer Mundart die Geschichte der Maultaschen vorgetragen bekommt. Die findigen Schwaben wollten nämlich auch während des Fastengebots nicht auf Fleisch verzichten und versteckten es deshalb im Nudelteig. Die so genannten „Herrgottsbscheißerle“ waren geboren.
Und noch ein eigentümlicher Brauch zaubert Nichtschwaben ein Lächeln ins Gesicht, wenn man in seinem Mietshaus nicht gerade selbst davon betroffen ist. Die so genannte „Kehrwoche“ hat eine wirklich lange Geschichte. So war schon im Stuttgarter Stadtrecht des Jahres 1492 folgende Anweisung vermerkt:
Damit die Stadt rein erhalten wird, soll jeder seinen Mist alle Wochen hinausführen, (…) jeder seinen Winkel alle vierzehn Tage, doch nur bei Nacht, sauber ausräumen lassen und an der Straße nie einen anlegen. Wer kein eigenes Sprechhaus (WC) hat, muss den Unrath jede Nacht an den Bach tragen“.


(Wikimedia Commons, Urheber: WiseWoman)

Noch heute ist die Kehrwoche ein wichtiger Bestandteil nicht nur des schwäbischen Lebens. In den meisten Fällen ist sogar im Mietvertrag geregelt, welche Partei wann den Gehsteig zu fegen, den Winterdienst zu übernehmen und das Treppenhaus zu putzen hat. Ein Schild kündigt dabei oft unübersehbar die Zuständigkeiten an, oft hängt auch eine deutlich sichtbare Hausordnung im Treppenhaus
Dass die Süddeutschen über einen gesunde Portion Humor verfügen, zeigt auch die Anzeige eines schwäbischen Volkshochschulleiters. Er schrieb spaßeshalber den Kurs „Kehrwoche für Nichtschwaben“ aus und schaute wahrscheinlich nicht schlecht, als er auf den als Aprilscherz gedachten Anzeigentext über 40 Anmeldungen erhielt.
Wegen der großen Nachfrage wurde aus Spaß sauberer Ernst und nach erfolgreich absolviertem Kompaktkurs kümmern sich Schwaben und Nichtschwaben nun gemeinsam in bester Tradition um ihren und anderen Dreck.